Sinfoniekonzert

Schall und Rausch

Mo 24.02.2025
20:00 Uhr
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Edward Elgar

Konzert für Violine und Orchester h-Moll op. 61 (1909–10)

Albert Roussel

Suite Nr. 2 aus dem Ballett Bacchus et Ariane op. 43 (1930)

Maurice Ravel

La Valse Poème choréographique pour orchestre (1906–20)

Einführung 50 Minuten vor dem Konzert

Wer schon mal Wiener Walzer getanzt hat, weiß, dass sich dabei nicht nur kaiserlich-königliche Pracht und stilsichere Eleganz entfalten, sondern auch schwindelerregende Fliehkräfte. Was heiter-beschwingt scheint, wird schnell zu einem sinnlichen Taumel, einer manischen Kreiselbewegung. Kein anderes Stück bringt diese beiden Seiten des Walzens auf wienerische Art so auf den Punkt wie Maurice Ravels La Valse. Das war sogar dem damaligen Auftraggeber, dem berühmten Impresario Sergei Djagilew, für seine Ballettkompanie eine Spur zu gewagt. Ravel komponiert einen dermaßen betörenden Orchestertanz, so farbenprächtig und rhythmisch »verrückt«, dass man das wilde Geschehen auf der imaginären Tanzfläche ohnehin bestens vor Augen hat: »Man erblickt einen riesigen Saal mit zahllosen im Kreise wirbelnden Menschen«, so der Komponist über La Valse. Von trügerischer Walzerseligkeit zu apokalyptischer Ekstase in knapp 14 Minuten.

Wie geplant als Ballettmusik verwendet wurden die geradezu duftenden Klänge, mit denen Albert Roussel der antiken Sage von Bacchus et Ariane Leben einhaucht. Gleich zwei Suiten für Orchester hat der Franzose und Zeitgenosse Ravels anschließend daraus destilliert. Verführung, Verzauberung, liebestrunken-orgiastisches Feiern – solch einen prickelnden Stoff genießt man besser rein musikalisch. Bacchus, hauptberuflich Gott des Weines und stets mit denkbar buntem Partygefolge unterwegs, schnappt sich die sterbliche Ariadne, die von ihrem Ex-Lover Theseus auf der Insel Naxos sitzengelassen worden war. Nun also: Neue Liebe – neues Glück. Bacchus, besser bekannt als Dionysos, und seine Ariadne triumphieren in einem finalen Bacchanal, das Albert Roussel als mitreißende Orchesterfete in schillernden Farben komponiert.

Nicht Ariadne, sondern Alice: Eine Muse war vonnöten, als Edward Elgar sich an sein Violinkonzert setzte. Praktisch, dass sie denselben Vornamen trägt wie die eigene Ehefrau. »Ich brenne vor lauter Arbeit & komponiere wie wild. Sie sollten kommen & es sehen (& hören!).« Elgar, selbst von Haus aus Geiger, war wie kaum ein anderer vertraut mit diesem Instrument. Sicherlich auch deswegen im Opus 43 die perfekte Balance zwischen Solist und Orchester. Der Star-Geiger Fritz Kreisler hatte das süffige, opulente Werk in Auftrag gegeben: ein Mosaik aus überschäumend vielen Einfällen und Melodien, ein von der Violine angeführter Gedankenstrom voller Sehnsucht, vom Orchester in eine Vielzahl von Farbnuancen getaucht. Gemeinsam stürzen sie sich in einen rauschhaften Schlusssatz inklusive der vielleicht berührendsten Solo-Kadenz überhaupt. Dank unserem Solisten, dem weltweit gefeierten Geiger Frank Peter Zimmermann, verblassen die immensen technischen Herausforderungen im musikalischen Gefühlsrausch. »Hierin liegt verborgen die Seele von …..«, schrieb Edward Elgar, ein Freund alles Rätselhaften, auf die Partitur. Fünf Pünktchen – vielleicht ist damit der Name Alice gemeint. Und wenn ja: welche?

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